Anliegen und Selbstverständnis der Schulpastoral

Die humane Mitgestaltung der Schule in all ihren Bereichen von Bildung und Erziehung, von Lehren, Lernen und Leisten ist Anliegen der Schulpastoral. Als "Dienst der Kirche an den Menschen im Handlungsfeld Schule" steht Schulpastoral für das vielfältige diakonische Engagement von Christinnen und Christen im Lebensraum Schule. Vorrangig durch ihr personales Angebot vor Ort wird der spezifische christliche Beitrag zur Humanisierung von Schulleben und Schulkultur erfahrbar. Sich in der Schulpastoral zu engagieren, bedeutet, die "heil und froh machende Wirkung christlichen Glaubens" im Lebensraum Schule zu bezeugen und im alltäglichen Zusammenleben erfahrbar zu machen.

In der Schulpastoral engagieren sich Lehrerinnen und Lehrer, Schulseelsorgerinnen und Schulseelsorger in Zusammenarbeit mit Eltern und haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen der Pfarreien und Gemeinden. Ziel schulpastoraler Aktivitäten ist es, – ausgehend von der Würde und dem Wert eines jeden Menschen –

  • die Menschen in der Schule in ihrer Entwicklung zu begleiten;
  • eine wertschätzende Kommunikation zwischen Schülern, Lehrern und Eltern, den Mitarbeiter/innen in Sekretariat, Verwaltung und Technik zu fördern;
  • zur Schulentwicklung im Sinne einer humanen und solidarischen Schule beizutragen;
  • die Erfahrung Gottes als eines Gottes, der selbst Mensch wurde, zu erinnern, gegenwärtig zu setzen und zu feiern;
  • zu einem Leben aus christlichem Geist zu ermutigen.

Menschen, die sich in der Schulpastoral engagieren, sind vielfach erste Ansprechpartner für Schüler/innen, darüber hinaus auch Eltern und Lehrkräfte. Einerseits geht es an dieser Stelle häufig um das schlichte Da-Sein im Sinne einer solidarisch begleitenden Pastoral, andererseits geht es auch um Professionalität in der Einschätzung von Problemlagen und um kompetentes Handeln in oftmals schwierigen Lebenssituationen.

Die Basis dafür stellt eine gelungene Vernetzung und Kooperation mit anderen kirchlichen und staatlichen Diensten und Einrichtungen dar. Denn Schulpastoral ist lebenspraktisch und erfahrungsbezogen. Sie fördert – als Bindeglied zwischen Schule und außerschulischen Institutionen und Lernorten – die Zusammenarbeit mit anderen. Schulpastoral initiiert Kooperation mit den Gemeinden/ Pfarreien und der kirchlichen Jugendarbeit oder lässt sich auf deren Kooperationsangebote ein. Kirchliche Angebote von Jugendarbeit, Pfarrgemeinden, Notfallseelsorge, Beratungsstellen und Bildungseinrichtungen können so mit der Schule vernetzt werden. Schulpastoral ist darüber hinaus auf Kooperation mit kommunalen Beratungsstellen sowie Einrichtungen der Jugendhilfe angelegt und vernetzt sich mit diesen.

Schulpastoral begegnet im Lebensfeld Schule einer großen Vielfalt von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Sie hat zunehmend mit Menschen zu tun, die wenig oder keinerlei Bindung an Gemeinden und Pfarreien haben und auch die Möglichkeiten und Angebote der kirchlichen Jugendarbeit kaum mehr kennen. Schulpastoral engagierte Lehrer/innen und Schulseelsorger/innen bilden für einen großen Teil der Schülerinnen und Schüler den einzig verbliebenen Berührungspunkt zur institutionellen Kirche und ihren Vertretern. Dies eröffnet Chancen und stellt zugleich eine Herausforderung dar.

"Schulpastoral lädt Menschen zu  einem lebendigen Glaubenszeugnis an ihrem   Lern-, Arbeits- und Lebensort ein. Das bedingt einerseits das eigene Bemühen um einladende Formen und Gestaltung ihrer Angebote unter den Aspekten Ökumene und Gastfreundschaft. Andererseits sind die in der Schulpastoral tätigen Menschen auch besonders herausgefordert, selbst für persönliches Wachstum und Spiritualität Sorge zu tragen, um überzeugende Vertreter kirchlichen Handelns im Raum der Schule sein zu können." (Zitat aus: Konferenz der bayerischen Referent/innen für Schulpastoral 10.02.05)

 

Schulpastoral im Bistum Essen konkret

Das Referat Schulpastoral auf Bistumsebene

unterstützt und berät Schulen, die ihre schulpastorale Arbeit weiterentwickeln wollen;

  • unterstützt die Pfarreien und ihre Jugendarbeit dabei, pastorale Angebote für die Schulen vor Ort zu entwickeln;
  • bietet Fortbildungen und Angebote für (Religions-) Lehrer/innen und (schul-/ jugend-) pastorale Mitarbeiter/innen an.

 

Mit diesem Auftrag sind drei Arbeitsschwerpunkte des Referates Schulpastoral im Bistum Essen angezeigt. Die Arbeit dieser diözesanen Fachstelle zielt darauf ab,

  1. schulpastoral engagierten Lehrer/innen in ihrer konkreten Arbeit mit Beratungs- und Fortbildungsangeboten zur Seite zu stehen;
  2. die Pastoralteams der neuen Pfarreien bei einer Ausweitung ihres pastoralen Angebots insbesondere für die weiterführenden Schulen zu beraten und durch konkrete Modellprojekte die Kooperation zwischen Schulen und Pfarreien/ Gemeinden zu intensivieren;
  3. die Vernetzung derer zu fördern, die sich im schulpastoralen Feld hauptberuflich oder ehrenamtlich engagieren.

 

Schulpastoral vor Ort

An allen kirchlichen und an sehr vielen staatlichen Schulen gibt es Menschen, die sich im oben beschriebenen Sinne in der Schulpastoral engagieren. In der Mehrzahl handelt es sich dabei um Lehrerinnen und Lehrer, die dieses Engagement als Christen über ihre unterrichtlichen Verpflichtungen hinaus an ihrer Schule einbringen. An einzelnen Standorten werden diese durch hauptberuflich tätige pastorale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterstützt, die eine schulpastorale Beauftragung wahrnehmen. Schulen in kirchlicher Trägerschaft stehen meist eigens beauftragte Schulseelsorger/innen zur Verfügung. An staatlichen Schulen geschieht dies meist durch die Kooperation mit der örtlichen Gemeinde oder Pfarrei. Das Bischöfliche Jugendamt unterstützt diesen Prozess der Öffnung der Pfarreien auf weiterführende Schulen hin an mehreren Standorten durch den gezielten Einsatz von Jugendreferent/-innen. Detaillierte Informationen dazu finden sich auf dieser Website unter Schulpastoral vor Ort.

 

Praxisbeispiele

Die praktische Verwirklichung von Schulpastoral stellt sich an jeder Schule unterschiedlich dar je nach dem, welche inhaltlichen Schwerpunkte gesetzt werden und welche personellen Kräfte vorhanden sind:

  • Spirituelle Angebote: z.B. Frühschichten, Morgenkreis, Schulgebet, Pausenbesinnung, Gottesdienste in ihren unterschiedlichen Formen, Wallfahrten, Kreuzweg, Meditation, Entspannungsübungen, Tage religiöser Orientierung in Kooperation mit den Jugendbildungsstätten St. Altfrid und Don Bosco, Wandern mit der Bibel, Rüst- und Einkehrtage für das Kollegium...
  • Beratung und seelsorgliche Begleitung: z.B. Einzelgespräche mit Schülern, Lehrern oder Eltern; Unterstützung im Rahmen der Notfallseelsorge in der Schule, Förderung der Zusammenarbeit mit Eltern, Beratungs- und Verbindungslehrern, Schulsozialarbeitern und Schulpsychologen, Behörden; Förderung von Supervision und kollegialer Beratung für Lehrer/innen ...
  • Prävention und Konfliktbearbeitung: z.B. Aktionen zur Stärkung sozialer Kompetenz, Initiierung von Streit-Schlichter-Modellen, Gesprächsabende mit Eltern, Kommunikationstraining mit Klassensprechern ...
  • Förderung der Gemeinschaftsbildung: z.B. durch Klassenpatenschaften, Tage der Orientierung, Kennenlern-Tage für die Schüler/innen der Klassen 5, Begleitung des Übergangs von der Grundschule in die weiterführenden Schulformen...
  • Schulkultur und Schulentwicklung: z.B. kreativ-musische Angebote, Föderung musikalischer Angebote und ihre Einbeziehung in die Gestaltung von Gottesdiensten etc., kreative Ausgestaltung der Schule, Mitarbeit an Schülerzeitung, Festen und Feiern, kollegialen Unternehmungen, Reflexions- und Planungstagen des Lehrerkollegiums ...
  • Räume der Begegnung: z.B. Einrichtung eine Schülercafés mit Möglichkeiten von Gespräch, Begegnung und Spiel; Gestaltung des Pausenhofes oder des Schulgartens; Angebote im Raum der Stille oder Meditationsraum; Einrichtung von "kommunikativen Ecken" im Schulgebäude, Mitarbeit im Offenen Ganztag ...
  • Förderung der Vernetzung der Schule mit kirchlichen und staatlichen Einrichtungen, die besondere Angebote für Kinder und Jugendliche machen.